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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

26. Internationales Teleskoptreffen Vogelsberg (ITV)

(Bericht von Dr. Burkhard Lührmann, Mai 2017)

Teleskoptreffen sind für uns Astronomie-Begeisterte im NVO (Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück) immer etwas Besonderes. Da gibt es viele Gleichgesinnte, jede Menge Anregungen für eigene Bauten, gut gemeinte Ratschläge und natürlich großen Spaß beim Campen. Der Aufbau des Teleskops gleich neben dem Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil ermöglicht in mehreren aufeinander folgenden Nächten intensives und zugleich entspanntes Beobachten des Himmels.

So hatte ich mir dieses Jahr fest vorgenommen, das ITV im Campingpark Am Gederner See, etwa 50km nordöstlich von Frankfurt gelegen, zu besuchen. Und fünf Nächte sollten es auch schon sein, damit sich die Anreise mit der ganzen Ausrüstung lohnt. In der Vorwoche zeichnete sich allerdings ab, dass ausgerechnet diese Tage durchgehend starke Bewölkung und Regen mit sich bringen sollten. So hatte ich mich schon mit dem Totalausfall abgefunden und wieder diverse andere Termine in die Woche gelegt. Aber da sieht man es mal wieder: Das Wetter ist unberechenbar! Am Vorwochenende wandelten sich die Regenwolken in den Wetterprognosen plötzlich um in Sonnensymbole. Das versprach drei klare aufeinander folgende Nächte. Was nun?

Ein mehrtägiger Besuch war für mich logistisch leider nicht mehr möglich. So entschloss ich mich, das ITV zumindest für einen Tag und eine halbe Nacht unter die Lupe zu nehmen. Dabei interessierten mich zum einen die Platzverhältnisse und logistischen Versorgungsmöglichkeiten für zukünftige längerfristige Aufenthalte und zum anderen die Besucher mit ihren astronomischen Ausrüstungen.

Da solche Unternehmungen in angenehmer Gesellschaft immer mehr Spaß machen, packte ich Martin und Heinz kurzerhand ins Gepäck und los ging es am Freitag um 8:00 Uhr. Melanie wollte heute übrigens auch von Bonn aus zum ITV fahren und für zwei Nächte bleiben, aber dazu später mehr. Nach gut vier Stunden Autofahrt mit Pausen erreichten wir Gedern. Das erste Etappenziel war dort das wunderschöne Schloss Gedern.

Der eigentliche Grund für diesen Besuch war allerdings nicht das Schlossareal selbst, sondern die nur an diesem Tag im Vorhof stattfindende Sonnenbeobachtung für die Öffentlichkeit. Wir stürzen uns gleich auf die Instrumente.

Die Sonne bietet an diesem Tag eine beeindruckende Fleckengruppe im Weißlicht mit über 30 Einzelflecken.
Heinz versucht sich gleich an einem Coronado auf einer Star Adventurer Reisemontierung. Im H-alpha-Licht sind am Sonnenrand mehrere schöne Eruptionen erkennbar. Am größeren Bruder mit 90mm Öffnung sind die Flares noch besser zu erkennen. Damit das helle Sonnenlicht am Okular nicht stört, kommt ein Handtuch zum Einsatz. Auf der Basis von Schweiß und Hitze schnell wachsende Bio-Kulturen spielen jetzt keine Rolle.

Nach diesem Vorgeschmack machen wir uns weiter auf den Weg zum ITV. Es sind nur fünf Minuten Autofahrt bis zum großen Besucherparkplatz des Campingparks Am Gederner See. Auf der Zufahrtsstraße meint Heinz plötzlich: „Ist das da vor uns Melanie?“ Ja, tatsächlich, sie ist es! Aber so groß ist der Zufall nun auch wieder nicht, dass man ohne Verabredung nach mehreren hundert Kilometern irgendwo gleichzeitig ankommt…

Die Sonne lacht, wir schmieren uns dick mit Sonnencreme ein und tragen alle drei Hüte. Alles klebt. Wie Jochen von der Firma Bresser später sagte: „Klasse, Ihr seht aus wie Die Drei von der Tankstelle.“
Der Fußweg bis zum heiligen Boden des ITV-Geländes beträgt etwa 500 Meter. Unterwegs kommen wir an mietbaren Unterkünften vorbei, die mich an die Erdbauten der Hobbits im Auenland erinnern. Es klebt immer noch alles.

Auch die NABU Gruppe Gedern ist hier aktiv, wie aufgestellte Schilder andeuten. Das erinnert mich gleich wieder an die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Astronomen und dem NABU hinsichtlich der Lichtverschmutzung, wie sie jüngst auf dem 7. Norddeutschen Sternwartentreffen (NST) in Münster hervorgehoben wurde. Und schon fallen die LED-Straßenlaternen ins Auge, die zum Himmel hin sehr gut abgeschirmt sind. Umso wichtiger, weil sie hier am Zuweg auch in der Nacht angeschaltet bleiben. Im Bereich des ITV-Geländes bleibt selbstverständlich alles dunkel. Es gilt Nachtfahr- und Weißlichtverbot.

Am Eingang zu den astronomischen Campingflächen befinden sich die sanitären Anlagen. Hier sind auch zeitlich durchgehend Duschräume und Wasserstellen zum Abwaschen zugänglich. Die Raumbeleuchtung ist allerdings immer Weißlicht. Hier können Rotbrillen zweckdienlich sein, die es übrigens auch im Händler-Bereich zu kaufen gab.

Obwohl uns schon der Mittagshunger plagt, wollen wir erst noch einen groben Überblick gewinnen und laufen den Platz einmal ab. Das Campinggelände erstreckt sich über eine Länge von etwa 300m und besitzt eine Breite von 90m. Zum Seeufer kommt noch einmal eine Streifenbreite von gut 40m dazu, die aber in Südrichtung von hohen Baumreihen begrenzt wird. Der große südliche Teil ist durch Buschreihenanpflanzungen in sechs Bereiche unterteilt. Einer davon ist den Händlern vorbehalten. Das Gelände weist teilweise ein relativ großes Gefälle vom Seeufer in Richtung Südosten auf. Dreibein-Stative sind hier mobilen Säulen klar vorzuziehen.

Weiterhin ist auf einem Teleskoptreffen die Stromversorgung wichtig. Folgende Varianten habe ich gefunden.

Es ist also ein CEE-Stecker erforderlich! Wenn man sich nicht beim Nachbarn einstöpseln kann, sind auch Verlängerungsleitungen notwendig. Die folgende Abbildung zeigt einige Stromanschlussstellen, die ich gesehen habe. Es gibt aber sicher noch weitere, insbesondere am südöstlichen Rand.

Ach ja, Hunger. Die Verpflegung ist ein weiterer nicht unwichtiger logistischer Aspekt. Vom Eingang des ITV-Geländes gehen wir 670 Meter bis zum Imbiss. Es klebt wieder alles.


Die anschließende Prozedur ist recht witzig. An einem Bestellfenster gibt man die Bestellung auf und bezahlt. Es gibt diverse Getränke, Pommes, Bratcurry und, äh, die anderen Dinge sind nicht da. An einem Ausgabefenster holt man sich die Sachen dann gelegentlich ab. Da keine Nummern oder ähnliches vergeben werden, muss man dann mit anderen Gästen rätseln, was für wen ist. Kleine Details wie mit oder ohne Majo sind da sehr hilfreiche Unterscheidungskriterien.

Gesättigt und gestärkt geht es zurück zum Platz. Um einen umfassenden Eindruck über die Belegung des ITV-Geländes zu erhalten und vor lauter Autos, Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen nicht den Überblick zu verlieren, zeigt für jedes Panorama eine vorstehende Kartenskizze den zugehörigen Blickwinkel an.


Obwohl am heutigen Freitag mit der Vorhersage auf zwei weitere klare Nächte der Campingplatz beinahe gefüllt ist, bietet der kleine Rasenzwickel im Eingangsbereich noch freie Plätze an, die aber bis zum Abend noch fast verschwinden. Der kleine Parkplatz rechts bietet z.B. ankommenden Campern die Gelegenheit, sich zunächst vor Ort zu Fuß zu orientieren.

Wo ist eigentlich Melanie geblieben? Per Smartphone ermittelt Heinz ihre Position. Ah, nur rechter Hand den Platz hinauf! Das Zelt und ihr Teleskop auf ihrer jüngst erworbenen Sphinx stehen schon. Da muss ich erstmal spechteln. Der Sonnenglasfilter in schöner Holzfassung leistet ganze Arbeit: Die Fleckengruppe zeigt sich kontraststark bei höherer Vergrößerung als am Schloss.

Von hier oben hat man einen schönen Ausblick auf den See:


Von der gegenüber liegenden Ecke sieht der Campingbereich so aus:


Am aufgebockten Wohnwagen links ist zu erkennen, wie stark das Gefälle hier ist.
Wenn ich mich nun um die eigene Achse drehe und damit in die entgegengesetzte Richtung schaue, bietet sich mir ein Anblick über die gesamte Händlerwiese.


Neben links liegenden allgemeinen Aufenthalts- und Versorgungszelten ist dieses Areal den Händlern vorbehalten. Ich zähle über 10 Zelte.
Den größten Teil davon nimmt die Intercon GmbH ein.


Sie ist der Veranstalter des ITV. Neben einer Reihe von Dobsons sind auch große Refraktoren von Takahashi ausgestellt, die ich mir als „Refraktor-Anhänger“ immer wieder gerne anschaue.

Neben dem TOA-130 weckt vor allem der TSA-120 auf der Holzmontierung schöne Erinnerungen an den im letzten Jahr leider verstorbenen Martin Birkmaier, Gründer von Intercon. Auf jedem Teleskoptreffen und jeder Messe, wo ich ihn angetroffen habe, hatte er dieses Equipment dabei und ließ mich damit unzählige Okulare ausprobieren.

Rechts schließen sich Zelte weiterer Aussteller an:


Unmittelbar am Durchfahrtsweg präsentiert sich die Firma Bresser, die dem NVO vor einigen Monaten für unsere Sternwarte einen großen Vollapo temporär zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank Jochen, du darfst es dir im Schatten bequem machen!


Oberhalb der Händlerwiese befindet sich der längste Platzabschnitt. Zelte verschiedenster Bauart und Wohnmobile formen weitere kleine gemütliche „Innenhöfe“, die mit vielen Teleskopen gefüllt sind:


An den Händlern vorbei blicken wir nun entlang der Hauptverkehrsader in Richtung Osten:


Es sind nur sehr selten Autos unterwegs. Die meisten Astronomen bleiben vor Ort.
Von der Rückseite her sieht der Hauptbereich im 180°-Panorama so aus:


Der hintere Abschnitt des ITV-Geländes ist schon relativ weit von den sanitären Anlagen entfernt. Dafür bietet er viel Ausbreitungsfläche.


Dieses 270°-Panorama besitzt im Original eine Breite von fast 30.000 Pixeln.
Hier verstecken sich viele schöne Teleskopbauten. Z.B. dieser Newton auf einer Losmandy G11 mit veredelten Teleskopschellen, Okularauszug, Fangspiegelhalter und diversen Kappen.

Oder dieses „hölzerne Teleskop“ auf azimutaler Montierung:

Auch dieser Dobson ist ein Prachtstück mit wunderschönen Holzarbeiten. Man beachte auch den kleinen Newton-Sucher.

Auf dem Rückweg zu Melanie habe ich noch ein ganz besonderes Erlebnis. Ich lerne Andreas kennen, der an dem 4-Zollauszug seines TOA-130, den ich selber auch einsetze, einen Lunt adaptiert hat und so die Sonne im H-alpha-Licht betrachtet.

Das Bild ist für die Götter. Man sieht die koronaren Auswürfe in feinsten Details, wie sie förmlich wieder auf die Sonnenoberfläche hinabregnen. Noch bei keinem anderen Amateur habe ich so beeindruckende Bilder visuell beobachten können. Da muss ich erstmal Heinz und Martin holen, das glaubt mir sonst keiner. Melanie möchte natürlich auch mit. Schnell eilen wir zu Andreas. Der ist sichtlich überrascht und erfreut über den Andrang. Die Reaktionen reichen von ehrfürchtigem Staunen über Kopfschütteln bis zu sonstigen Gefühlsausbrüchen. Für mich persönlich ist es das astronomische Highlight des Tages. Das muss ich irgendwann auch mal versuchen!

Inzwischen nähert sich der Abend und überall steigt der Geruch von brennender Grillkohle auf. Kurzerhand besorgen Heinz und Melanie Fleisch und Würstchen, die auf einem Einweggrill landen. Wir lassen es uns in der Abendsonne schmecken.

In der Dämmerung mache ich mich nochmal auf den Weg über das ITV-Gelände, um die bisher tagsüber noch verpackten bzw. noch nicht aufgebauten Gerätschaften zu besichtigen. Dabei interessieren mich insbesondere Astrokameras. Neben zahlreichen DSLRs gibt es aber leider nur relativ wenige CCD-Kameras. Auf dem HTT ist das ein größerer Schwerpunkt.

Ich treffe Rolando Dölling, der seine fotografischen Vorbereitungen gerade unterbrochen hat, weil im hinteren Bereich des Campingparks vorübergehend der Strom ausgefallen ist. So erklärt er mir im bereits Dunklen sein Equipment. Durch Zufall erfahre ich, dass er der Stellvertretende Gruppenleiter der Fachgruppe „Astronomische Vereinigungen“ des VdS ist. Diese neue Fachgruppe war von Michael Schomann (Sternwarte Braunschweig) auf dem Norddeutschen Sternwartentreffen (NST) in Münster vorgestellt worden. Wir diskutieren noch diverse Bestrebungen zu diesem Thema, als ich merke, dass es fast Mitternacht ist. Jetzt muss ich aber zurück, ich wollte ja eigentlich nur nochmal kurz schauen. Bestimmt werde ich schon vermisst!
Vor dem Bresser-Zelt fingen mich Martin und Heinz ab. Mit vielen schönen Eindrücken von diesem ITV gingen wir zum Besucherparkplatz zurück und traten die Heimfahrt an.
Ich freue mich schon auf das ITV 2018 und hoffe, dass möglichst viele vom NVO mit dabei sein werden.

Ich danke der ITV-Organisation für die schöne Veranstaltung und Martin für einige hier verwendete Bilder.