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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

7. WestHavelländer AstroTreff (WHAT) in Gülpe

(Bericht von Dr. Burkhard Lührmann, September 2017)

Das Astro-Treffen im Vorjahr hatte mich so begeistert (siehe Bericht 6. WHAT), dass meine Anmeldung dieses Mal schon mehrere Monate vor dem 7. WHAT, der offiziell vom 15.09. bis zum 17.09.2017 stattfand, erfolgte. Die Anreise nach Gülpe war wieder bereits zum Mittwoch geplant, um bis zu vier Nächte ausnutzen zu können. Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Es ist üblich, dass die letzten 10 Tage vor Abreise zum regelmäßigen Studium der Wettervorhersagen genutzt weren. Es sah nicht gut aus! Aber zum letzten Wochenende vorher zeichnete sich allmählich ab, dass nicht jeder Tag des WHAT verregnet sein und sogar die Bewölkung zurückgehen sollte. Ich erfuhr kurzfristig, dass neben Mareike und Martin nun auch Thomas bereits zum Mittwoch anreisen würde. Na super, da könnten wir ja gleich von Anfang an ein kleines Zeltdorf mit Pavillon errichten. Den hatten Carsten, Martin und ich viele Monate zuvor für diverse gemeinschaftliche Projekte besorgt. In der Astronomischen Arbeitsgruppe des NVO (Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück) ist eben immer was los. Also fing ich schon am Montag an, die besonders schweren Teile ins Auto zu verlagern. Dienstag war ich voller Vorfreude bis auf ein paar Kleinigkeiten zur Abfahrt bereit.

Da meldet sich Thomas: „Ich bin noch nicht davon überzeugt, dass ich bei Windstärke 9 mein Zelt aufbauen kann.“ Die ganze Zeit beobachte ich die Vorhersagen für Bewölkung, Niederschlag und Temperatur. Den Wind habe ich überhaupt noch nicht beachtet. In Osnabrück ist es relativ ruhig. Eine telefonische Rücksprache mit Martin ergibt, dass er den Geschwindigkeitswerten auch noch keine Beachtung geschenkt hat. Da lesen wir für Gülpe 50 km/h und Böen bis 90 km/h. Orkan über der Ostseeküste! Das war’s.

Nachdem der Sturm in der Nacht zum Mittwoch heftig an den Rollos gerüttelt hat, sende ich gegen 6:00 Uhr morgens eine SMS an Martin, dass ich nicht fahren werde. Denn er hat angekündigt, dass er trotzdem schon früh morgens um 7:00 Uhr aufbrechen möchte und sein Zelt in Gülpe zunächst im Windschutz einer Zuschauertribüne aufbauen werde. So weiß Martin wenigstens vor seiner Abfahrt Bescheid, dass ich nicht mitkommen werde. Ich habe keine Lust mehr, das Auto wieder auszuräumen und wende mich meiner Arbeit zu.

Es ist fast Mittag. Martin hat sich nicht mehr gemeldet. Ich vermute, er ist eingeschnappt, dass ich einen Rückzieher gemacht habe. Da erreicht mich um 11:00 Uhr seine SMS: Er hat verschlafen und wird erst um 11:30 Uhr losfahren. Wir telefonieren. Mein Entschluss gerät wieder ins Wanken, aber Sturmtief Sebastian siegt. Martin bricht auf.

Die Ereignisse überschlagen sich. Thomas ruft zum wiederholten Male gegen 14:00 Uhr an. Nach ausführlichem Studium der möglichen Windlasten seines Zeltes teilt er mir mit, er sei jetzt auf der Bahn, der Himmel blau und die Wolken weiß. Wenn man das Lenkrad festhielte, ginge es. Ich kann mich noch nicht entschließen und sage, dass ich vielleicht freitags nach dem Sturm ganz früh anreisen werde. Kurz nach Ende des Gesprächs kann ich mich auf nichts anderes mehr konzentrieren und packe kurzerhand den Rest ins Auto und breche um 15:00 Uhr auf. Nach 400 km treffe ich schließlich um 20:00 Uhr in Gülpe nach Sonnenuntergang ein. Martin, Thomas und Mareike sind bereits da. Und es ist nur schwach windig. Mit tatkräftiger Unterstützung der anderen ist mein Zelt im Halbdunkeln schnell aufgebaut.

Oh, es geschehen Wunder: Inmitten des Naturparks Westhavelland klart es auf. Es gelingt mir, mein Teleskop aufzubauen und einzunorden. Bis 3:00 Uhr wird visuell beobachtet. Der Wind bleibt in dieser Nacht mäßig. Gegen Mitternacht entstehen von Martin sieben Aufnahmen, die zu diesem Vertikal-Panorama vereinigt wurden.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Am nächsten Morgen haben wir die erste Nacht überstanden, sehen aber bewölktem Wetter mit Regenschauern entgegen.

Deshalb ist auf dem ehemaligen Sportplatz auch noch nicht viel los.


In der Pension&Atelier „Kreativoase“ wird gefrühstückt. Nach einem Jahr trifft man hier am großen Tisch bekannte Gesichter wieder und es entstehen rege Gespräche.

Später bauen wir unseren Pavillon auf. Bei kurzen Regenschauern lässt sich hier gemeinsam die Zeit am besten vertreiben.


Gegen Abend trifft Andreas mit seiner Familie ein und wir gehen gemütlich im Ort Seeblick Essen. Astronomische Beobachtungen sind in der Nacht zum Freitag leider nicht mehr möglich. Die Teleskope bleiben verpackt und müssen einer windigen Nacht trotzen. Das Sturmtief Sebastian streift uns aber glücklicherweise nur leicht.

Am nächsten Morgen erwartet uns heiteres Wetter. Als wir vom Frühstück zurück kommen, ist bereits Jörg eingetroffen. Das Feld füllt sich.


Ich baue meine im letzten Jahr entwickelte Steuerelektronik ein, um das Teleskop im Remote-Betrieb zu nutzen. Wolkenlücken erlauben es, immer wieder Blicke auf die Sonne zu erhaschen. Der neue Sonnenfilter bewährt sich im Weißlicht.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Jörg erklärt Besuchern seine Ausrüstung:

WHAT Sept 2017

Das Feld der Teleskope von der anderen Seite aus:


Die Abenddämmerung setzt ein. Über den westlichen Wiesen in Richtung Havel sind schöne Wolkenbilder zu sehen. Dieses Panorama besitzt im Original fast 30.000 Pixel.


Die Restbewölkung zieht ab und die kommende Nacht wird wolkenfrei, transparent und nahezu windstill, ein Volltreffer!

Als Anfänger nehme ich mir die dankbaren Objekte M33 und M45 vor. Ich möchte feststellen, welche Unterschiede sich in der Astrofotografie für die unmodifizierte DSLR EOS 7D und die Astrokamera ASI174MC ergeben. Außerdem soll später festgestellt werden, welchen Einfluss verschiedene Workflows in der Bildnachbearbeitung haben. Eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse würde diesen Bericht aber sprengen. Daher nur einige Eindrücke:

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Die technischen Daten hierzu:

M33 (Dreiecksgalaxie), Montierung 10-micron GM 2000 QCI ohne Autoguiding, Takahashi TOA-130 mit Reducer TOA-35, Brennweite 698mm, EOS 7D (APS-C), 10x3min lights, 10x3min darks, bias, keine flats, PixInsight.

Die Aufnahmen gelingen für APS-C ohne bemerkbare Vignettierung. Zur Beurteilung der Fokussierung, sphärischen und chromatischen Abberation zeigt die folgende Abbildung einen pixel-to-pixel Ausschnitt der oberen rechten Bildecke.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

In der Bildbearbeitung sind keine diesbezüglichen Korrekturen vorgenommen worden.

Die nächsten beiden Abbildungen sind zentrische Ausschnittsvergrößerungen des Gesamtbildes, wobei die letztere wieder pixel-to-pixel skaliert ist.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Mit den gleichen technischen Aufnahmedaten ist M45 (Plejaden) belichtet worden. Es ergeben sich also wieder eine Fotofeldbreite von 1,8° und eine Pixelauflösung von 1,3' '.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Auch für dieses Motiv sind hier zwei Ausschnittsvergrößerungen zu sehen, wobei die zweite mit Merope wieder pixel-to-pixel skaliert ist.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017Westhavelländer Astrotreff Sept 2017Mehr Belichtungszeit als 30 Minuten pro Motiv stehen in dieser Nacht aufgrund der verschiedenen zu testenden Kombinationen leider nicht zur Verfügung.

Gegen 4:00 Uhr überfällt mich dann auch die Müdigkeit, sodass ich Carsten, der die Nacht durchgefahren ist und etwa um 5:00 Uhr eintrifft, nicht mehr in Empfang nehmen kann. Ebenso erreicht uns Heinz etwas später. So war nicht nur der Samstagmorgen, sondern auch die Wiedersehensfreude wunderschön. Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Damit sind wir Osnabrücker komplett.

Wir lassen es uns gut gehen…

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

…und werten in unserer Kommandozentrale die ersten Ergebnisse aus.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017Plötzlich gesellen sich die Aliens zu uns, die ich letztes Jahr schon vermisst hatte, und besetzen unserer Zentrale.

Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Was soll nun aus dem WHAT 2017 werden?


Samstags ist immer der offizielle Zuschauertag auf dem WHAT, wo interessierte Besucher besonders herzlich eingeladen sind und uns über die Schultern schauen können. Daher bereite ich für die kommende Nacht noch einige Dinge vor.Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Gegen Abend trübt das Wetter aber ein, sodass alle Teleskope verpackt werden müssen.


Dann bricht der Starkregen über uns rein, im Osten heftiges Wetterleuchten. Unser Pavillon wird zum rettenden U-Boot. Hier und da ein paar Wassereinbrüche können uns nichts anhaben. In dieser Nacht haben wir den größten Spaß!

Die zweite Nachthälfte ist wieder trocken, aber nicht ganz klar. Eine Herausforderung für alle Anti-Tau-Heizungen. Die Geräuschkulisse steigt deutlich an, der Stromverbrauch wohl auch. Man kann nicht immer unterscheiden, ob ein Fön läuft oder eine Montierung.

Am Sonntagmorgen können wir zum Glück feststellen, dass die Aliens derartige Wetterschwankungen von ihrem Heimatplaneten nicht kennen und das vorzeitige Ende fanden. Der WHAT 2017 ist befreit.Westhavelländer Astrotreff Sept 2017

Nach Abzug des Bodennebels zeigte sich der Sonntag von seiner besten Seite, sodass Equipment und Zelte entspannt abgebaut und verstaut werden konnten. Damit ging leider schon wieder ein WHAT zu Ende.

Für die Abwehr der Alien-Invasion muss nicht gedankt werden, das ist für uns Osnabrücker selbstverständlich. Ich möchte mich aber bei allen bedanken, die sich um die gute Organisation, die kulinarische Versorgung und das dafür Komplementäre gekümmert haben und für einige hier verwendete Bilder von Martin.