Wetterlage:
Jetzt
Abends
Temperatur:
13,93°C
Bedeckung:
32%
Stand: 29.06.2017 02:07
Temperatur:
16,84°C
Bedeckung:
92%
Stand: 29.06.2017 02:07
Kalender:


Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

Die totale Sonnenfinsternis am 29. März 2006

Samstag, 25.3.2006 - Ein Start mit Hindernissen

Eigentlich sollte für uns Dutzend aus Osnabrück und Umgebung der Flug mit SunExpress direkt von Münster/Osnabrück (ab 18:40) nach Antalya (an 23:50), doch die Flugunterlagen wiesen bereits einen Umweg über Bremen aus, Ankunft in Antalya 00:50. Dann kam der Flieger verspätet in FMO an und eine Viertelstunde nach dem Start in Bremen kam die Durchsage, dass das Flugzeug wegen technischer Probleme in Hannover landen müsse - beim Start gab es eine Kollision mit einem Vogel. So kam der Flieger dann um 4:05 in Antalya an, nach Umstellung auf die Sommerzeit. Trotz aller Befürchtungen gab es keinerlei Zollkontrollen bei der Einreise.

(leider nicht beobachterfreundlich: msky=20.0 mag/arcsec² bzw. mlim=5 mag in Ori -> Globe at night)

Nach dem Transfer ins Hotel Aspendos Beach und Einchecken, konnte man gegen 7 Uhr an Schlaf denken, der jedoch gerade einmal bis 9:30 Uhr dauern sollte, da dann die Mietwagen angeliefert werden sollten.
Es zeigte sich, dass das Hotel, wie vermutet, 5 Kilometer von der Zentrallinie entfernt liegt. Auch hatten noch viele weitere Sonnenfinsternisfans hier Unterkunft gefunden, auch Bekannte wie beispielsweise Siggi Exner.

Hinflug 25.3. GoogleEarth (mit GPS aufgezeichnet, in GoogleEarth darstellbar)

Sonntag, 26.3.2006 - Erste Erkundungen

Der Tag sollte für einige mit der Anlieferung der Mietwagen beginnen, doch die wiederum liessen auf sich warten und wurden erst zwei Stunden später angeliefert. Nach einem schnellen Mittagessen ging es dann los: nahe gelegene mögliche Beobachtungsorte sollte erkundet werden.
Es ging zunächst Richtung Manavgat, vorbei an den Wasserfällen, die am Sonntag offenbar das Ziel von vielen türkischen Familien sind, zur antiken Stadt Seleukia. Auf dem steilen Zuweg beginnt einer der Mietwagen zu kochen, offenbar, war nicht genügend Kühlwasser eingefüllt (Vermieter: "Alle Stände sind kontrolliert"). Die "sprudelnde Quelle" auf dem Ruinengelände konnte kein Wasser liefern, daher half zunächst eine Flasche Trinkwasser, an einer der vielen Wasserhähne am Weg konnte später der Wasserstand aufgefüllt werden.
Die Ruinen liegen in einer eindrucksvollen Umgebung und nur 5 km von der Zentrallinie entfernt, könnten sie einen Beobachtungsplatz mit ganz besonderem Flair darstellen. Dagegen spricht nur geringe Aussicht und die Gefahr, dass noch viele weitere auf die Idee kommen könnten, zudem der Transport unserer Instrumente umständlich werden könnte.

Der höher liegende Stausee liegt in einem tiefen Tal, an diesem Nachmittag bildete sich hier viel Bewölkung, es begann sogar zu regnen.
Auf dem Rückweg wurden weitere mögliche Beobachtungsplätze auf der Zentrallinie an den Hängen des Gebirges gesucht, doch kaum einer würde genügend Platz und Ruhe bieten.

Touren 26.3. GoggleEarth

Montag, 27.3.2006 - Erkundungen im Landesinneren

An diesem Tag sollten Beobachtungsplätze im Landesinneren erkundet werden, um gegebenenfalls dem Küstendunst zu entweichen und die Dauer der Anfahrt zu testen.

Über die D695 kamen wir durch eindrucksvolle Landschaft schnell voran und erreichten nach 90 Minuten bei einer größeren Abfahrt wieder die Zentrallinie in etwa 1000m Höhe bei Göl Basi. Der Himmel war tief blau, lediglich etwas Staubewölkung könnte störend sein. Hier gäbe es reichlich Beobachtungsplätze, lediglich die nahe viel befahrene Straße produzierte recht viel Lärm.

Doch die Zentrallinie sollte weiter Richtung Seydisehir erkundet werden. Im landwirtschaftlich intensiv genutzten Talkessel des offenbar trocken gelegten Sugla Gölü, zeigte sich der Himmel wiederum wolkenlos, während an den Bergen rundherum Staubewölkung zu beobachten war. In den Dörfern brüteten Störche. Doch der in der Karte eingezeichnete Rückweg über Boskir, Dere und Sorkum erwies sich allerdings als Sackgasse, wenige Kilometer vor dem Erreichen der Hauptstrasse verhinderte Schnee das Weiterkommen, entsprechende Hinweisschilder waren umgefallen. So gestaltete sich der Rückweg ziemlich lang, es blieb der tiefe Eindruck von scheinbar archaischen Ortschaften.

Tour 27.3. GoggleEarth

Dienstag, 28.3.2006 - Weitere Erkundungen an der Küste

Heute sollte noch einmal die Küste in Richtung Zentrallinie erkundet werden. Es zeigte sich, dass das ursprünglich gewählte Hotel Monachus Park gerade einen Kilometer von der Zentrallinie entfernt gelegen hätte. Hier gäbe es einen Beobachtungsplatz mit gutem Blick Richtung Meer auf einer Bauschutthalde. Auf der Zentrallinie im Ort Kumköy selbst war der Strand nicht leicht zugänglich, aber im Hinterland gäbe es mehrere Beobachtungsplätze. Dort lag erwies sich in der Ortschaft Ilica ein 80 m hoher Hügel mit einer Feuerwachhütte als optimal, er lag genau auf der Zentrallinie, bot freien Blick Richtung Meer und Landesinnere. Eine benachbarter hoher Hügel mit der Höhenangabe 96m in der Landkarte wäre wohl noch besser geeignet, doch wäre dort der Transport der Instrumente etwas mühseliger geworden. Eine Entscheidung war gefallen: der niedrigere Hügel wäre wohl der optimale Beobachtungsort im Küstebereich, er erhielt den Namen "Höhe 96".

Am Nachmittag ging es noch nach Side, ein Ort der durch die Allgegenwärtigkeit antiker Ruinen imponierte, aber auch von Touristen beherrscht ist. Und natürlich traf man auch hier immer wieder bekannte Gesichter. Um die Ruinen des Apollon-Tempels hatten sich besonders viele SoFi-Fans angesammelt, Teleskope und Fernseh-Übertragungswagen waren aufgebaut - hier würde man wohl kaum die Finsternis ungestört beobachten können.

Abends war es klar und ein Blick auf die Sterne möglich, doch die Lichtverschmutzung ist beträchtlich:

Der Blick übers Meer zeigt im Süden Strenbilder, die von Mitteleuropa aus nicht sichtbar sind: Pyxis-Kompass, Antlia-Luftpumpe, Vela-Segel und das Kreuz des Südens steht nur etwa 5° unter dem Horizont:

Tour 28.3. GoogleEarth

Mittwoch, 29.3.2006 - Der Finsternistag

Die Wetterprognosen
Wie schon seit Tagen war für den Mittag der Aufzug hoher dünner Cirrenbewölkung von mehreren Vorhersagemodellen angekündigt. Astrowetter sagte zudem eine Altocumulusbewölkung zur Mitte der Finsternis westlich einer Linie Konya-Alanya vorher, der Beobachtungsort wäre davon betroffen. Da keine Vorteile für die Hocheben zu erkennen waren, entschieden wir uns, an der Küste zu bleiben. Tatsächlich zogen im Laufe des späten Vormittags einige Cirren von Westen auf, doch waren sie so dünn, dass sie die Beobachtung nur während der partiellen Phasen etwas störten, die Totalität war ungetrübt.

Die Beobachtungen
Die letzten Wettermeldungen sollten noch dem Internet entnommen werden, doch da das Internet-Cafe des Hotels erst um 10 Uhr öffnete, blieb man noch bis 10:30 Uhr im Hotel. Lediglich eine Vorhut brach früher auf, um die "Höhe 96" zu übernehmen. Kurz darauf der Anruf von Thomas: "Höhe 96 ist besetzt!", meine entsetzte Rückfrage "Von wem?" und dann die erleichterte Antwort: "Von uns!"

Doch als wir dann gegen 11 Uhr ankamen, standen mehrere PKWs und sogar ein Bus auf der Straße, es waren also noch mehr auf die Idee gekommen, dort zu beobachten, doch diese Mengen hatten sich auf der echten Höhe 96 versammelt. Wir blieben zunächst auf unserer "Höhe 96" (N 36°49,277', E 31°22.514', Höhe 82m) in Ilica allein und bauten in Ruhe unsere Instrumente auf. Dann kam ein Truck mit der Aufschrift ZABITA vorbei, ein Beamter der städtischen Polizei schaute nach dem Rechten und beruhigte uns, dass wir weiter beobachten könnten. Gegen 13:15 Uhr rief der Muezzin von den umliegenden Moscheeen zum Mittagsgebet. Kurz vor dem 1. Kontakt tauchte dann noch ein Fotograf und ein Kameramann im Laufschritt auf, die Aufnahmen machten und dann genau so schnell zur Gruppe auf der eigentlichen Höhe 96 eilten. Die Kontaktwerte waren ja vom französischen IMCCE für den Ort angegeben und so fand der 1.Kontakt pünktlich um 12:38:25 lokaler Zeit (osteuropäische Sommerzeit, 9:38:25 UT) statt. Langsam schob sich der Mond immer weiter vor die Sonne, inzwischen kam noch eine Bewohner eines nahen Hauses, ein Taxifahrer mit guten Deutschkenntnissen dazu, später folgten noch zwei Freunde, seine beiden Kinder und die Frauen.

Die Sonnensichel wird immer dünner (Russentonne, anfangs unscharf)

In der Lochprojektion werden die Sicheln erkennbar:

Erst etwa 15 Minuten vor Beginn der Totalität wurde es merklich dunkler und windiger. 5 Minuten vor der Totalität gingen Straßenlampen an, die Sirene eines Krankenwagens war zu hören.

Es wird immer dunkler (Casio P-600, 1:8, 1/250s konstant)

Die Utensilien für die folgenden Beobachtungen (Foto A. Düntsch):

Die Abnahme der Helligkeit (gemessen von Albrecht Düntsch mit einem Luxmeter):

Die Abnahme der Temperatur (gemessen von Albrecht Düntsch):

Die automatische Messungen von Temperatur und Luftfeuchte
mit zwei Testostor 175-2 Datenloggern der Firma Testo automatisch in 30 Sekunden-Intervallen aufgezeichnet und nach der Rückkehr ausgewertet (normalerweise zur Messung des Raumklimas bei Sonderausstellungen des Fachbereichs Kultur der Stadt Osnabrück benutzt). Ein Messfühler lag im Schatten auf einer Betonmauer, der andere im direkten Sonnenlicht (Temperatur2 und Feuchte2). Der Temperaturabfall ist mit 10° in der Sonne ziemlich groß, während er im Schatten nur 3-4° abgefallen ist (wegen der kühlen Betonmauer?).

Das Sonnenspektrum mit den Sicheln und das Flash-Spektrum (leider unterbelichtet) (Casio P-600, Astromedia-Gitter)

Die Protuberanzen und innerste Korona (F=1000mm, 1:10, 100 ASA-Diafilm, 1/500s)

Die Korona (f=500mm, 1:5,6, Canon EOS300-D, 400 ASA)

Ein durch Überlagerung von 3 Bildern unterschiedlicher Belichtungszeit erzeugtes Bild Ein durch Überlagerung von 5 Bildern unterschiedlicher Belichtungszeit erzeugtes Bild, Larson/Sekanina-Filter (mit Fitswork)

und kombiniert mit Bildern des Satelliten SOHO:

Ein LASCO-Bild der inneren Korona von UT 10:46, doch ist die Sonne durch eine Blende so abgedeckt, dass der innerste Bereich der Korona nicht zu sehen ist, ihn zeigt das Bild von der Finsternis besser. Und ein zentrales EIT-Bild (von UT 21:48) im Röntgenlicht zeigt aktive Gebiete auf der Sonne.

Auf einer Weitwinkelaufnahmen sind einige Cirren in Sonnennähe erkennbar (Foto: Thomas Kunzemann)

Kurz vor der Totalität flogen Vögel davon, wohl in ihre Nester. Während der Totalität wurde in der Ferne geschossen (Feuerwerksraketen?).

Blumen schlossen ihre Blütenblätter (Fotos Arnd Thomasmeyer (o) und Albrecht Düntsch (u)):

Unmittelbar nach Ende der Totalität wurde dem Osnabrücker Lokalradio per Handy die frischen Eindrücke von der Finsternis live übermittelt.

Anschliessend wurde noch ein Bericht mit den ersten Bilder für die Medien in und um Osnabrück vorbereitet und über das hoteleigene Internetcafe verschickt - wegen des Andrangs dauerte das etwas länger....

Donnerstag, 30.3.2006 - Ausflug nach Termessos

Nun zeigte sich, welches Glück wir am Vortag gehabt hatten: schon am Morgen war der Himmel bedeckt.

Heute ging es an Antalya vorbei zur antiken Stadt Termessos (6 € Eintritt), die in 1000 m Höhe an der Unterkante der Wolken liegt. An diesem Tag hatten sich offenbar auch viele Sonnenfinsternisfans hierher begeben, auf dem Parkplatz war kaum ein freier Platz zu finden. Trotzdem war die Wanderung durch das Gelände sehr eindrucksvoll - besonders die zahlreichen Sarkophage.
Nach einem verspäteten Mittagessen in einem einfachen Lokal ging es dann noch zu den Kursunlu-Wasserfällen, die in einem kleinen Naturschutzgebiet zu Spaziergängen einladen (1,70 € Eintritt).

Tour 30.3. GoogleEarth

Freitag, 31.3.2006 - Manavgat und Schlucht

Und der Tag zeigte noch mehr, wieviel Glück wir zur Finsternis hatten: in der Nacht hatte es zu regnen angefangen, so entschieden wir uns, zunächst nach Manavgat zum Shoppen zu fahren.

Am Nachmittag erkundeten dann noch einige den Köprülü Kanyon-Nationalpark.

Abends war es dann klar und die schmale zunehmende Mondsichel war wieder in der Abenddämmerung zu sehen (Foto: Willi Witte)

Tour 31.3. GoogleEarth

Samstag 1.4.2006 - Rückflug

Nach einer erlebnisreichen Woche ging es dann über München zurück. Weder bei der Ausreise aus der Türkei, noch bei der Einreise nach Deutschland gab es mit den Fernrohren Probleme. Die Gruppe war zufrieden, die Sonnenfinsternis konnte unter besten Wetterbedingungen beobachtet werden.

Rückflug 1.4. GoggleEarth

Links
Links bei Daniel Fischer
Links von eclipse-reisen
Siggi Exner aus Bramsche
Christian Buil (CCD-Spezialist und IRIS-Programmierer) aus Frankreich beobachtete wohl nahe unserem Hotel