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Tal-1M  - auf dem Weg zum First Light

Eigentlich wollte ich ja nur eine etwas exotische Montierung bei Ebay erwerben, um zeigen zu können, dass es heutzutage kein Problem mehr ist, eine gute Teleskopsteuerung mit Microstepping auf einfachem Weg herzustellen. Sie soll so flexible sein, dass sie sich auch an wirkliche Raritäten einfach montieren läßt ohne diese massiv umbauen zu müssen.
Neben einer Zeiss-T-Montierung, standen nun eine Tal-Montierung sowie ein komplettes Tal-1M Teleskop auf der Beobachtungsliste. Ich habe nicht damit gerechnet neben der Tal auch das Tal-1M zu erhalten. Das Gebot endete nicht mal mit der Hälfe meines Maximalgebots und so verabredete ich mit dem Verkäufer in Varel einen Termin.
Natürlich hab ich das Tal-1M,Bild 3 welches aus einer cremefarbenen 80cm Säule mit drei schwarzen Füßen, einem schmalen Achsenkreuz mit klobigem Motorgehäuse und einem 110mm f8 Newton besteht, gleich aufgestellt. Neben einem paddelförmigen Sonnenprojektionsschirm war auch noch ein auf die Gegengewichtsstange aufschraubbarem Spiegelreflexkamerahalter dabei, der für die Pentakon- und Praktikakameras gebaut ist.
Die Russen bauen halt doch gutes Zeug.
Also schnell das Smartphone gezügt und grob nach Norden ausgerichtet, grob die Polhöhe eingestellt. Bevor ich die Rohrschellen aufgeschraubt habe um den Tubus so drehen zu können das der Okularauszug in Richtung des Projektionsschirms zeigt, wollte ich noch wissen, ob der Sucher überhaupt auf den Newton justiert ist. War er natürlich nicht, also schnell nen etwas entfernten Baumwipfel gesucht und ausgerichtet, dann den Tubus gedreht und grob Richtung Sonne geschwenkt. Leider hat der Sucher keinen Sonnenfilter, aber man weiss sich ja zu helfen. Die Pappschachtel meines UHC-S-Filters ist Handlich und weiss und gab einen guten improvisierten Projektionsschirm für den Sucher ab. Das reichte um auch mit dem 25er Plössl ein schönes, scharfes Sonnenbild mit ordentlichen Flecken zu erhalten. Keine Ahnung warum ich gleich nach dem 25er Plössel gegriffen habe, aber die Sonnenscheibe passt perfekt bildfeldfüllend auf das Projektionspaddel.
Der ehemaliger Besitzer staunte und meinte, das hätte er nie ausprobiert und sich nur gewundert was man mit dem Paddel machen solle. Er hat also nie damit die Sonne angeschaut.
Auch Passanten hielten an, wir standen direkt an der Straße.
Was ich allerdings gleich bemerkt hatte beim Aufstellen war, das große Spiel in der Rektaszension und mir war klar, dass ich an einer Komplettzerlegung nicht vorbei kommen würde. Die manuelle Nachführung war sehr schwergängig und die Plastikknaufe sehr unangenehm. Der ehemalige Besitzer sagte auch noch, er hätte den Nachführmotor nie in Betriebgenommen. So sah auch das Kabel und das 12/220V Netzteil aus.

Zu Hause hatte ich dann erst mal nicht die Zeit mich weiter darum zu kümmern. Erst am nächsten Tag, Samstag, kam ich während Sonja ein paar Sonnenfleckenbeobachtungen für ein Seminar machen wollte dazu mich näher mit der Tal-Montierung zu beschäftigen.
Aufgebaut und ausgerichtet war das Teleskop schnell und auch die Stromversorgung der Nachführung war schnell montiert und in Betrieb genommen. Bis auf das große Spiel in der Rektaszension lief die Nachführung echt toll. Über vier Stunden ließ ich die Sonne nachführen bis ich mich dem ganzen wieder widmen konnte.

In der Zeit hatte sich das Sonnenbild auf dem Projektionsschirm nicht bewegt. Ich hatte Markierungen mit Bleistift auf dem Plastikpaddel gesetzt.
Da die Nachführung also für optische Zwecke  zufriedenstellend ist schraubte ich erst mal den Deckel vom Motorgehäuse ab. Sehr übersichtlich das Ganze! Ein Hauptritzel mit Rutschkupplung über einer Achse mit etwas 15mm langer Schnecke und jeweils ein offenes Kugellager an der Gehäusewand. Auf der linken Seite ist ein mittleres Ritzel auf die Schneckenachse montiert das in ein kleiners Ritzel mit Rutschkupplung greif, welches auf der Welle eines Gleichstrommotors sitzt. Der Gleichstrommotor ist an seinen nur zwei Kabeln zu erkennen. Rechts im Gehäuse befinden sich eine verpolungssichere Buchse für Strom, ein recht großer Bakelit-Ein-/Ausschalter und darüber eine recht einfache Platine mit zwei Widerständen und einer LED.

 

Im hinteren Deckel und in der linken Gehäusewand befinden sich kleine Luken, die es einem ermöglichen ohne das Gehäuse öffnen zu müssen die Rutschkupplungen mit einem SchlitzschrauBild 4bendreher justieren zu können.
Als erstes kümmerte ich mich dann so um die Rutschkupplung des Nachführmotors und stellte ihn so ein, dass die Handknaufe ein eben so einfaches wie schmerzfreies Drehen zu ließen. Die Nachführgenauigkeit des Motors wurde dadurch nich beeinflusst. Die Sonnenscheibe blieb bei den Markierungen auf dem Paddel.
Daraufhin machte ich mich an dem Hauptritzel zu schaffen und fand auch gleich das zwei der drei Schrauben sehr lose waren und somit der Anpressdruck nicht gleichmässig, was aber der Qualität der Nachführung keinen Abbruch zu tun schien. Damit schaffte ich aber nicht das Spiel aus der Rektaszension zu entfernen.Bild 5

Da aber die abendlichen Termine näherrückenten konnte ich auch an diesem Tag noch kein entgültiges Ergebnis erzielen.

Vergangenen Samstag war es dann aber endlich so weit und Lothar kam vorbei. Da er Zeit und Lust hatte sich zusammen um das Rektaszensionsproblem zu kümmern stellten wir das Tal-1M zu erst im Hof und dann im Wintergarten auf.
Um nicht übermässig lange selber suchen zu müssen recherchierten wir zu erst im Internet, fanden aber nur eine Seite die sich wirklich der Thematik Tal-Teleskope anzunehmen schien. Diese hatte ich auch schon im Vorfeld gefunden, weshalb ich mich bei Ebay ja nach Tal umgesehen hatte.

Also als aller erstes die rückseitige Platte entfernt und das Innenleben besprochen. Als nächstes haben wir die Motorhalterung ausgebaut, danach die Verschraubungen der Platine, des Schlaters und der Buchse gelöst und aus dem Gehäuse genommen.

Bild 1
Die gefundene Webseite sowie das weiter verlinkte Forum war nicht wirklich eine Hilfe, denn dort war nur etwas über Tal-1 bzw Tal-2M zu lesen. Also auf eigene Faust weiter und erst einmal die Gegengewichte, die Konterschraube des Deklinationsteilkreises sowie ihn selbst abmontiert. Die Deklinationsachse ist nur durch eine kleine Schraube mit dem Gehäuse verbunden und ließ sich nach entfernen dieser auch wirklich einfach aus ihrem Gehäuse nehmen. Es half aber nicht herauszufinden warum es immer noch das große Spiel in der Ra-Achse gab. Also die Verschraubungen des Ra-Teilkreises auch noch gelöst und das Hauptritzel entfernt. Darunter kam dann eine Lochscheibe und darunter ein Gehäuseteil mit Zapfen zum Vorschein welche uns aber auch nicht weiterhalfen.

Bild 7
Erst als Lothar einen der Teilkreiszeiger entfernte während ich mir noch ein paar Texte im Internet vornahm fanden wir die in diesen Texten beschriebenen Madenschlitzschraube, welche die Konterung der aufgeschrauben Achse sichern sollte. Diese hatte sich gelöst und sogar etwas auf dem Gewinde geschliffen.



Nach einer gründlichen Reinigung des Gewindes bauten wir alles wieder zusammen, drehten Bild 2die Achse fest und das Spiel war weg. Als nächstes kam die Madenschraube gefolgt vom Rest.
Als dann wirklich alles wieder zusammen gebaut war justierten wir noch die Rutschkupplungen.
Zur Stärkung gabs erst einmal ein leckeres Abendbrot, denn First Light auf leeren Magen soll ja angeblich bad luck bringen... * zwinker *
Leider wurden wir dann von meinen Eltern dann aus derm Wintergarten vertrieben, da sie für den Brunch am Pfingstsonntag ein paar Vorbereitungen treffen wollten.
Also alles in den Garten geschleppt und aufgestellt. So langsam hat man ja über die Jahre ein Gefühl entwickelt wie man eine Montierung hinstellen muss, damit die Nachführung ihren Dienst verrichten kann ohne das man da noch mal was nachlegen müsste. Das klappte auch dieses Mal. Schnell noch um Strom gekümmert und schon gings los.
Lothar hatte schon M3 eingstellt währen ich mich um den Strom gekümmert habe. Trotz Festbeleuchtung im Wintergarten dem zu 57% beleuchtetem Mond und den Natriumdampflampen der Hauptstraße vor dem Haus war M3 wirklich nett anzusehen. Lothar schätzte die Grenzgröße auf etwas 4mag.
Auf M3 folgte epsilon bootes. Dieser Doppelstern war nicht klar zu trennen aber deutlich elongiert zu sehen. Wahrscheinlich ließ es die Luftfeuchtigkeit nicht zu, die sich in deutlich tiefere Gefilde begab.

M81/82 waren klar als milchige Flecke zu erkennen, wobei M81's Kern deutlich zu sehen war. M82 war eher unscheinbar. M97 konnte nur mit UHC-S-Filter gesehen werden weil er ohne Filter in der Himmelaufhellung verschwand. M97 ist also für dieses Teleskop ein gutes Maß für einen guten Himmel.

M51, mit und ohne Filter, zeigte deutlich den Vorteil der S-Variante des Filters. Der deutliche Kontrastgewinn bescherte M51 das Anlitz einer Medallie, die jemand ins Bildfeld gehängt hatte. Für 110mm Öffnung ein wirklich schöner Anblick, auch wenn man das Objekt schon oft gesehen hat.

epsilon Lyra löste sich sehr schön in seine vier Sterne auf doch das wurde durch eine neueliche Lichtattacke aus dem Wintergarten gestört.

M13 konnte gut in Einzelsterne aufgelöst werde. Die kleine Galaxie NGC6207 neben M13 war nicht zu sehen.

µ Draco ließ sich allerdings nicht wirklich trennen und sollte in einer etwas trockeneren mondlosen Nacht noch einmal versucht werden.

Abgerundet wurde die Session noch mit M57 bei dem man zu zweit Abschirmung leisten musste.  Abschließen schauten wir uns noch das Reiterlin und  Saturn an, welcher so gerade eben hinter dem Gibel des Schuppens hervorluckte.

Zum Einsatz kamen ein 40er Celstron, 25er Intes Plössl, 17er Vixen Silberplössel, 12,5er Intes Plössel und ein 5er Vixen Silberplössl sowie eine 2x Barlowlinse für die Doppel- und Mehrfachsterne.

Mit dem Gucken haben wir um 00:30h begonnen und gegen 02:00h aufgehört als die Feuchtigkeit begann sich in immer tiefere Lagen zu bewegen und als Nebel die Natriumdampflampen eine massive Lichtsoße erzeugen zu lassen..
Die Nachführung hat sich über die ganze Zeit sehr gut verhalten, auch bei höheren Vergrößerungen bei den Doppelsternen (epsilon Lyra).


Als Fazit sind Lothar und ich einer Meinung, dass dieses kleine Schätzchen nicht nur den investierten Betrag wert ist, sondern ein wirklich schönes Gerät zum Spass haben ist. Es ist

Bild 6

leicht zu zerlegen und zu transportieren, weil keines der Teile mehr als 10kg wiegt. Die Montierung ist klobig aber robust und funktioniert einfach einfach. Russische Technik halt.
Auf der Todo-Liste stehen allerdings doch noch ein paar Dinge. Die Feinjustierung der Motorrutschkupplung, die Alluminiumschrauben der Polhöhe sollten durch VA-Schrauben ersetzt werden und wenn man möchte noch das letzte Fitzelchen am Hauptspiegel justieren, was aber nur aus Respekt an die Perfektion wirklich sein müsste. (Abb. Allu-Schrauben)

Auf der Talianer Webseite lassen sich ein paar Bauanleitungen u.a. für eine Handsteuerbox sowie einen Deklinationsantrieb finden. Diese mit meiner eigenen Steuerung versehen muss sich dann in der nächsten Zeit noch den Fototests stellen.

Auf alle Fälle haben wir vor, bei den nächsten klaren Gelegenheiten das Schätzchen unter Gramberger Himmel zu testen. Wir freuen uns schon auf die nächsten Sessions.

Clear Skies,
Christian